Handwerkerbranche: Fachkräftemangel und volle Auftragsbücher

Kundschaft braucht Geduld

Der massive Fachkräftemangel macht dem Handwerk zu schaffen. Deutsche Betriebe suchen händeringend nach Personal, viele haben es inzwischen aufgegeben und verzichten auf Stellenausschreibungen. Die Folge der Handwerkerknappheit: Vielerorts warten Kunden drei Monate, bis ihr Auftrag bearbeitet wird. Trotz voller Auftragsbücher müssen sich Handwerker teilweise mit niedrigen Löhnen zufriedengeben. Ein Einblick in die aktuelle Marktsituation.


Eine schlechte Kombination: Boom & Personalmangel

Auf der Frühjahrskonferenz in Chemnitz machte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) Holger Schwannecke deutlich, dass der Bedarf an Fachkräften enorm sei. 53 Handwerkskammern waren vertreten und diskutierten über die beunruhigende Lage. Obwohl das Handwerk an Schulen wirbt und Imagekampagnen durchführt, blieben im vergangenen Jahr 17.000 Lehrstellen in Deutschland unbesetzt. Rund 25.000 Handwerker fehlen momentan. Hinzu kommt, dass etwa 200.000 Betriebe bundesweit in den kommenden Jahren einen Nachfolger benötigen.

Anfang des Jahres machte DasHandwerk unter anderem mit folgender Imagekampagne auf sich aufmerksam:

Werbung allein wird aber nicht reichen, um den Mangel an Handwerkern auszugleichen. Stattdessen fordern Experten bessere Arbeitsbedingungen und eine stärkere Tarifbindung, um die Branche attraktiver zu machen. Die Abschaffung der Meisterpflicht in zahlreichen Berufen, darunter Fliesenleger, hat eine Entwicklung hin zur Dequalifizierung angestoßen, die wiederum den Qualitätsstandard negativ beeinflusst. Außerdem sorgt die Tatsache, dass weniger Unternehmen einen Meisterbrief vorweisen können dazu, dass weniger ausgebildet wird. Ein Lichtblick könnte sich für 2020 ankündigen, wenn ein potenzielles neues Gesetz die Meisterpflicht wieder ausdehnt. SPD und Union planen die Handwerksordnung zu ändern und hierzu einen Gesetzesentwurf im Sommer 2019 zu erarbeiten.

Am 24. April 2019 präsentierte der Bayerische Handwerkstag (BHT) aktuelle Zahlen. Demnach sei die Zahl der Personen, die im Handwerk tätig sind mit circa 941.000 zwar leicht gestiegen, um den Bedarf zu decken, sei das aber nicht genug. Betriebe, die Aufträge aufgrund mangelnder Kapazitäten nicht direkt ablehnen, müssen Kunden oft ein Vierteljahr vertrösten. Besonders verschärft, hat sich die Situation in der Baubranche im Osten Bayerns. Über 15 Wochen müssen Kunden dort teilweise Geduld haben. Insbesondere die beiden Branchen Ausbau und Bau werden von Aufträgen regelrecht überschwemmt und benötigen dementsprechend dringend Personal.


Massenhaft Aufträge müssen koordiniert werden

Der immense Andrang wirkt sich auf den Arbeitsalltag von Handwerkern nicht nur positiv aus. Zwar sind Betriebe dankbar für Neukunden und das damit verbundene Wachstum, müssen aber mit zunehmendem Stress zurechtkommen. Das Jonglieren mit Kapazitäten bringt so manche Fach- und Führungskraft an persönliche Grenzen. Um die Auswahl und Koordination von Projekten zu verbessern, lohnt sich die Nutzung innovativer Software-Lösungen, Tools und Apps, welche alltägliche Probleme lösen.

Die ibau GmbH aus Münster hat sich auf die Auftragsakquise spezialisiert und hilft Kunden bei der Suche nach öffentlichen Ausschreibungen, die zum betrieblichen Know-how passen und bietet Unterstützung für den Vertrieb. Das Bauportal ibau Xplorer gehört zum Produktportfolio des Unternehmens und stellt die recherchierten Informationen zu Bauprojekten gebündelt bereit, um Networking und somit die Projektarbeit zu vereinfachen. Es sind mehr als eine Million Bauprojekte hinterlegt, darunter nichtöffentliche Aufträge und der Zugriff auf das Portal ist sowohl im Büro als auch via Applikation über Mobilgeräte möglich. Weitere Angebote, die in hektischen Zeiten besonders nützlich sein können:

  • Zeit-Management: Wenn das Team überlastet ist, wird Zeit-Management umso wichtiger. Zur Digitalisierung der Zeiterfassung lohnt sich ein Blick auf die kostenlose Software Clockify. Jeder Mitarbeiter kann seine Arbeitszeit mit einer Applikation über das Smartphone ins System eingeben. Vorgesetzte können die Daten anschließend auswerten und Kalkulationen durch Abgleichen mit dem prognostizierten Arbeitsaufwand besser bewerkstelligen.
  • Slack: Nicht kostenlos, aber dennoch hilfreich. Das Tool führt die interne Kommunikation zusammen, macht zeitgleiches Bearbeiten von Dokumenten möglich und das Integrieren von Onlinediensten wie Google Drive.
  • Evernote: Macht Schluss mit Fresszetteln. Sowohl auf dem Schreibtisch, als auch in Nutzfahrzeugen. Mit der Notizsoftware können Unternehmen Checklisten bereitstellen und Handwerker machen sich auf smarte Art Notizen. Letztere lassen sich unterwegs einsehen und verwalten.

Löhne: Erhebliche Kluft zwischen den Standorten

Angesichts des Booms im Handwerk, könnte der Eindruck entstehen, dass es den Fachkräften der Branche gut geht. Je nach Region und Beruf stimmt das auch. Es gibt jedoch genug Fachkräfte, die mit niedrigen Löhnen zufrieden sein müssen. Das durchschnittliche Jahresgehalt von Handwerkern liegt bei über 40.000 Euro brutto. Besonders gut verdienen Meister. Einfluss auf das Gehalt hat unter anderem die Größe des Unternehmens. In kleineren Betrieben wird in der Regel schlechter bezahlt.

Auch der Standort ist ein entscheidender Gehaltsfaktor. Besserverdiener sind derzeit beispielsweise in Bremen und Frankfurt am Main zu finden. Ein Blick auf die Flächenländer zeigt: In Baden-Württemberg dürfen Handwerker mehr Geld für ihre Arbeit erwarten. Besonders knapp fällt das Gehalt in Sachsen-Anhalt aus. Die Differenz beträgt über 10.000 Euro jährlich.

Das moderne Handwerk: Ein Booster für den Mittelstand

Trotz aktueller Probleme bei der Personalbeschaffung gilt das Handwerk als elementare Säule des Mittelstands der Bundesrepublik. Mehr als 130 Berufe in Bereichen wie Holz & Kunststoff, Bau & Ausbau, Lebensmittelhandwerk oder Metall & Elektro warten darauf entdeckt zu werden. Bis heute ist die Branche in Deutschland Ausbilder Nummer 1.

Die Optionen zur Aus- und Weiterbildung sind vielfältig. Das Angebot an Dienstleistungen und Produkten zeigt sich hochwertig, Einfallsreichtum sowie Flexibilität sind Standard. Für Unterstützung in Sachen Ausbildung, Weiterbildung, Beratung, Technologie-Transfer und Interessenvertretung sorgen Handwerksorganisationen mit entsprechender Infrastruktur.

Handwerkerbranche: Fachkräftemangel und volle Auftragsbücher
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Autor: Peter Baumeister

Der Autor > Über 25 Jahre Berufserfahrung im Bereich Bauen und Sanierung verdienen es zu Papier gebracht zu werden. Dabei neue interessante Tools und Techniken für Handwerker zu testen ist meine Passion.
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