Heute komfortabel, morgen altersgerecht: geht das?

Man wird nicht jünger. Das gilt natürlich auch für das Leben in den eigenen vier Wänden. Irgendwann wird da vieles, was für junge und „mittelalte“ Menschen kein Problem darstellt, eine schwierige bis unüberwindliche Hürde. Aber deshalb gleich schon von Anfang an in Richtung „später“ blicken? Ja, durchaus. Denn was Opa und Oma das normale Leben im Haus erst ermöglicht, hat durchaus auch schon viele Jahre zuvor seine Vorteile – weil es meistens dann komfortabel ist. Doch an welchen Baustellen gilt es anzusetzen? Das zeigen wir jetzt. 

Stichwort Bauweise

Mehrstöckigkeit ist immer ein zentrales Hindernis, wenn man in seiner Mobilität eingeschränkt ist. Und auch schon vorher kann es zumindest unkomfortabel sein. Wer jemals schon Bausatzpakete für Möbel usw. in obere Stockwerke schleppte, kann das ebenso bestätigen wie all jene, die vielleicht schon mal auf der Treppe stolperten – dazu muss man nicht alt sein, das kann auch der U-30-Generation passieren.

Wer den Bau noch vor sich hat, sollte sich daher vielleicht eine Grundsatzfrage stellen: Muss es überhaupt ein mehrstöckiges Gebäude sein? Könnte man sein Leben nicht auch problemlos auf der Parterre-Fläche eines Bungalows ausbreiten? Bei den meisten ist es nur, passender Bebauungsplan vorausgesetzt, eine Frage der Umgewöhnung.

Stichwort Türen

Gerade in älteren Gebäuden sind Türen vergleichsweise schmal und wurden zudem oft ohne Not in Ecken und Nischen gebaut. In Kombination sorgt das dafür, dass man im Alter, besonders mit Rollstuhl oder Gehhilfen, immense Probleme bei der alltäglichen Mobilität bekommt. Schlimmstenfalls werden dadurch manche Räume auch ganz zu einer „No go Zone“.

Allerdings lässt sich hier in Eigenregie Abhilfe schaffen. Und zwar durch:

  • Verbreitern einer bestehenden Tür. Das funktioniert, zumindest bei nicht tragenden Wänden, durch seitliches Wegstemmen der Wand nach Ausbau von Tür und Rahmen. Solange dem Türsturz pro Seite 25cm Auflagefläche verbleiben, ist das sehr einfach – falls nicht, muss der Sturz gegebenenfalls durch ein breiteres Element ersetzt werden.
  • Verlegen der Tür. Das bedeutet also, dass an anderer Stelle der Wand eine neue, breitere und besser gelegene Türöffnung gestemmt wird. Auch das lässt sich noch durch den Heimwerker bewerkstelligen. Bei der alten Tür wird, nach Entfernung des Rahmens, die Öffnung entweder klassisch zugemauert oder in Trockenbauweise mit einer Holz-Unterkonstruktion verschlossen. Wenn man die korrekt verspachtelt und verputzt, ist das Ergebnis buchstäblich unsichtbar.

Prinzipiell sind die Maßnahmen bei tragenden Wänden gleich und können ebenfalls in Eigenregie durchgeführt werden – allerdings mit dem wichtigen Passus, dass zuvor unbedingt ein Baustatiker zurate gezogen werden sollte.

Stichwort Elektrik/Elektronik

Strom ist im Haus ein Segen. Nicht nur, aber vor allem im Alter kann er jedoch auch unkomfortabel, bestenfalls sogar gefährlich werden. Nehmen wir Lichtschalter. Wie oft hat man die Hände voll und muss diese umständlich mit Ellbogen, Nasenspitze oder anderen Verrenkungen bedienen? Oder typische Mehrfach-Schalterleisten, bei denen man auch nach Jahren noch nicht weiß, welcher Taster für was zuständig ist. Vom vergessenen Herd, der Brände produziert, ganz zu schweigen.

Viele, ja nahezu alle diese Probleme können durch Mithilfe von digitalisierten Installationen beseitigt werden. Vielfach funktioniert das im Rahmen eines Smart Home und ist immer auch für junge Menschen ein enormes Komfort- und Sicherheitsplus:

  • Die Sache mit den Lichtschaltern kann durch digitale Bewegungsmelder gelöst werden, die einfach dann anschalten, wenn man einen Raum oder eine Zone darin betritt.
  • Sogenannte Herdwächter schalten nach einer voreingestellten Zeit einfach das Gerät ab
  • Rollladensteuerungen fahren den Sichtschutz zeitgesteuert rauf oder runter, und sensorunterstützt auch noch zu speziellen Anlässen, etwa bei zu hoher Innenraumtemperatur oder, Internet-gespeist, nach Unwetterwarnungen

So gibt es für praktisch alles Elektrische im Haus mittlerweile digitale Unterstützung, die jetzt komfortabel und später altersgerecht ist.

Stichwort Dusche

Die mehrere dutzend Zentimeter tiefen Duschwannen, die noch bis in die 90er Jahre hinein vielerorts verbaut wurden, sind glücklicherweise schon längst passé. Doch auch moderne flache Duschtassen, so der korrekte Terminus, sind immer noch einige, wenngleich auch wenige, Zentimeter hoch. Das macht sie schlicht und ergreifend zur Stolperfalle – weil es selten die großen Stufen sind, an denen man mit der Zehenspitze hängenbleibt. Allerdings haben die generellen Duschgrößen auch noch eine wichtige Negativrolle: Viele planen heute nach wie vor mit der typischen „Quadratmeterdusche“.

Dabei ist beides, sowohl eine bodenebene wie wesentlich größere Dusche, durch den versierten Heimwerker zu realisieren. Das kann, je nach Bodendicke, entweder dadurch geschehen, dass dieser für die Dusche einfach breiter und tiefer mit einem Bohrhammer aufgestemmt wird oder aber, indem der gesamte Zimmerboden durch eine zusätzliche Estrich-Schicht um einige Zentimeter aufgedickt wird.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein nahtloseres Design ohne Höhenunterschiede (das macht auch das Putzen ungleich einfacher). Und die größere Dusche ist viel komfortabler, erst recht mit einer integrierten Sitzgelegenheit. Sie ermöglicht vielleicht die Installation mehrerer Düsen (auch in den Wänden, also waagerecht sprühend) und somit den Umbau der Nasszelle zu einer kleinen Wellnessoase, in der man tagtäglich seine zehn Minuten Auszeit von der Welt nehmen kann – im Sitzen.

Stichwort Haustür

Allein von den mechanischen Voraussetzungen gehört natürlich auch die Eingangstür zu den Wandöffnungen, die durch simples Verbreitern komfortabler und altersgerechter gemacht werden können. Bei diesem speziellen Fall geht es allerdings um eine Menge anderer Punkte, die in jungen Jahren vielleicht nur störend, später aber wirklich beeinträchtigend sind.

Da wäre beispielsweise die Klingel. Nach wie vor ist sie bei vielen Häusern nur durch ein schallerzeugendes Element im Dielenbereich ausgeführt. Man muss nicht alt und schwerhörig sein, um damit in so manchen Situationen einen Gast vor der Tür zu überhören – es reicht auch, gerade die Küchenmaschine zu betreiben, ein Zimmer zu saugen oder sich hinterm Haus im Garten aufzuhalten.

Erweitern lautet die Devise. Selbst bei klassisch kabelbetriebenen Türklingeln funktioniert das ganz einfach, indem schlicht die bestehenden Leitungen verlängert und mit einer zweiten Klingel in einem anderen Raum verbunden werden. Und sofern man bereits ein Funksystem besitzt, ist die Erweiterung noch viel einfacher, weil die meisten Systeme unkompliziert mit weiteren Klingeln (oder auch optischen Signalgebern) bestückt werden können.

Doch es geht noch weiter: Durch eine Gegensprechanlage mit Kamera, ja vielleicht sogar einer smarten Steuerung, erfolgt das Interagieren mit Leuten vor der Tür in Bild und Ton – je nach Anlage sogar in totaler Dunkelheit. Und: Bei den smarten Geräten kann man die Sache sogar mit einem elektronischen Türöffner verbinden und somit per Handy einem Gast die Tür öffnen. Auch das ist sowohl für jung wie alt einfach nur enorm praktisch.

Stichwort Außentreppe

Den finalen Punkt widmen wir der Außentreppe, die zu beinahe jedem Gebäude dazugehört und sei es nur in Form einer flachen Stufe. Auch in diesem Fall gilt wieder die Regel, wonach man nicht über die großen Stufen stolpert. Doch es ist noch viel mehr: Schon mit Kinderwagen kann die Außentreppe, erst recht, wenn sie aus mehreren Stufen besteht, eine nervige alltägliche Hürde sein.

Und es zieht sich auch über schwere Einkaufstüten, die man vielleicht mehrere Stufen hinaufwuchten muss – ohne dass die Sache einen Vorteil jenseits der Optik hätte. Doch das Hindernis lässt sich durch Rampen vereinfachen. Sie können mit einer selbstgebauten Schalung einfach an der Seite einer bestehenden Treppe in Beton aufgebracht werden. Und je nachdem, wie flach und lang man sie anlegen kann, werden sie dadurch auch rollstuhltauglich.

Tipp

All diese Maßnahmen gelten als altersgerechtes Umbauen – und das wird in Deutschland durch die KfW gefördert; auch, wenn keine alte Person im Haushalt lebt und man selbst noch Jahrzehnte von der Rente entfernt ist. Anfragen sollte man vorher immer. Meistens kann sich daraus ein finanzieller Vorteil ergeben.

Heute komfortabel, morgen altersgerecht: geht das?
5 (100%) 2 votes
Close