Verletzungen der Hände und tödliche Arbeitsunfälle: Das muss nicht sein!

Wenn es um Arbeitsunfälle geht, sind selten Unfälle im Bürosessel gemeint: Es geht hier eher um die körperlich Tätigen, die sich in Industrieanlagen, auf Baustellen und in Fertigungsstraßen abmühen. Vom Dachdecker über den Maurer bis hin zu Metzger, Bäcker und Malermeister reicht das Handwerk (und noch viel weiter). Hier ist Sicherheit besonders wichtig.

Mehr Arbeitsunfälle in 2017

Im Jahr 2017 sind allein im ersten Halbjahr 223 Menschen im Arbeitsalltag tödlich verunglückt. Das sind mehr als im Vorjahr, 2016 waren im gleichen Zeitraum nur 198 Menschen von tödlichen Arbeitsunfällen betroffen. die Zahlen sind also leicht angestiegen. So zumindest belegen es die Zahlen der Berufsgenossenschaften und der Unfallversicherungen. Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle dagegen lag im ersten Halbjahr 2017 mit 433.037 um etwa 6.000 niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ist allemal positiv.

Was ist überhaupt ein Arbeitsunfall?

Als Arbeitsunfall wird ein Unfall oder eine Verletzung definiert, die während der Arbeitszeit oder auf dem Weg zur/von der Arbeit passierte oder zugefügt wurde. Unfälle, die beim Heimwerken oder in der Hobbywerkstatt passieren, zählen nicht als Arbeitsunfall. Aber natürlich handelt es sich auch da um handwerkliche Tätigkeiten, die gegebenenfalls ein Gesundheitsrisiko darstellen. Dementsprechend sollten bei handwerklichen Tätigkeiten in der Freizeit die gleichen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden wie am Arbeitsplatz.

Häufige Gefahrenquellen

Die meisten Unfälle passieren bei feuchter Witterung und schlechter Sicht, im Umgang mit Maschinen und durch menschliches Versagen. Im Zweifelsfall kommen alle drei Gefahren zusammen. Nicht alle heiklen Situationen lassen sich vermeiden: Gegen Wetter und Sichtlage kann man normalerweise recht wenig ausrichten, der Umgang mit Maschinen lässt sich auch eher nicht vermeiden. Und das menschliche Versagen ist zwar oft auf mangelnde Konzentration, zu wenig Schlaf, Drogenmissbrauch oder dergleichen zurückzuführen, kann aber im Grunde genommen jeden in einem schlechten Moment treffen.

Diese Gefahrenquellen betreffen nicht nur handwerkliche Betriebe, sondern auch Hobbyhandwerker und Heimwerker. Unfälle passieren, weil Menschen aufgrund der Witterung ausrutschen und fallen, weil sie gegen Dinge laufen oder vom Gerüst fallen (schlechte Sicht), sich an Maschinen verletzen oder gleich ganz hinein geraten.

Um solche Unfälle so weit wie möglich zu vermeiden, sind in den meisten Handwerksbetrieben die sogenannten Gefahrenzeichen angebracht: Einfach Piktogramme zeigen welche Maßnahmen zum Arbeitsschutz ergriffen werden sollten und welche Gefahren überhaupt drohen. diese Zeichen sind ernst zu nehmen. Im Betrieb stellen die Arbeitsschutzbeauftragten sicher, dass das geschieht. Zu Hause ist jeder für sich selbst verantwortlich. Wer sich eine Hobbywerkstatt einrichtet, sollte mit den dort verrichteten Arbeiten unbedingt soweit vertraut sein, dass zumindest ein grundsätzlicher Unfallschutz gewährleistet ist.

Schutzkleidung tragen!

Ein aufgeschürftes Knie heilt, ein gebrochener Arm ebenfalls. Aber nicht jeder Arbeitsunfall geht so glimpflich aus. Oft genug ziehen sich die Betroffenen Verletzungen zu, die in bleibenden Einschränkungen resultieren. Da hilft nur eines: vorbeugen.

Helmpflicht

Überall da, wo Dinge von oben herabfallen könnten, sollte ein Helm getragen werden. Auf Baustellen ist das selbstverständlich, aber eben auch in Werkhallen und Industrieanlagen ist der Helm manchmal eine gute Idee. Und zu Hause ebenfalls. Wer beispielsweise den Dachstuhl selbst ausbaut und mit einem Flaschenzug arbeitet, sollte unbedingt an den Helm denken. Auch in der Schrauberwerkstatt mit Hebebühne kann der Helm wichtig sein.

Lärmschutz ist wichtig

Maschinen sind laut, und dauerhafter Lärm schädigt nicht nur das Gehör, sondern sorgt auch für Konzentrationsschwierigkeiten, Ermüdungserscheinungen und damit erhöhte Unfallgefahr. Wer mit Maschinen arbeitet, sollte daher unbedingt einen Gehörschutz tragen. Ob man die berühmten „Mickymäuse“ aufsetzt, sehr gut schallisolierende Kopfhörer also, oder ob man dann doch lieber die kleinen gelben Stöpsel vom Schießstand der Bundeswehr trägt, ist Geschmacksache. Beide erfüllen ihren Zweck.

Auf die Augen achten

Wo geschweißt oder gelötet wird, wo Funken oder kleine Partikel von Materialien fliegen, sollte eine Schutzbrille getragen werden. Denn gelangen Metallsplitter, Holzstückchen oder Stein in die Augen, ist das ein irreparabler Schaden. Jeder Handwerker sollte als unbedingt in eine passende Schutzbrille investieren. Die Brillen sind heutzutage recht leicht und behindern beim Arbeiten nicht. Sie könne zusammen mit einem Staubschutz getragen werden, so dass gegebenenfalls eben auch Mund und Nase geschützt sind.

Die Zehen bleiben dran: Sicherheitsschuhe

Viele Unfälle passieren auf feuchtem Untergrund. Sicherheitsschuhe für die Arbeit haben ein grobes Profil, sind mit einer rutschfesten Sohle versehen und schützen zusätzlich die Fußzehen mit inneliegenden Stahl- oder Kunststoffkappen. Es gibt Modelle, die hoch geschnitten sind und damit auch noch den Knöchel schützen. Zu den Schuhen gehören die robusten Arbeitshosen, die schwer entflammbar sind, aus reißfestem Material bestehen und weder einengen, noch zu weit geschnitten sind.

Was die Schuhe für die Füße, sind die Handschuhe für die Hände. Arbeitshandschuhe sollen nicht das Händewaschen ersparen, sondern die Hände heile halten. Wenn mit schwerem Gerät umgegangen wird, Späne fliegen und Splitter überall herumliegen, sind die Handschuhe einfach wichtig. Denn kaputte Hände arbeiten nicht gut.

Im Ernstfall Notruf

Ist tatsächlich ein Unfall passiert oder gesundheitsgefährdender Austritt von Wasser, Gas oder anderen Flüssigkeiten zu befürchten, ein Feuer oder anders Unglück, sollte ein Notruf abgesetzt werden. In Deutschland ist die Feuerwehr immer noch unter der Rufnummer 112 zu erreichen, den Werkschutz bekommt man unter der 110 ans Telefon, bei 4040 hebt die Umweltzentrale ab, unter weiteren, meist betriebsinternen Nummern erreichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den betriebseigenen Rettungsdienst, die Feuerleitstelle des Betriebs und andere Nothelfer.

Steht die Verbindung, nennt der Anrufer oder die Anruferin zuerst den eigenen Namen. Danach muss benannt werden, ob ein Unfall passiert ist oder eine akute Gefahr droht. Letztere sollte auch gleich näher benannt werden (Feuer, Gasaustritt, Wasser etc.). Erst danach ist der Ort des Geschehens relevant. Genannt werden die Straße, das Gebäude oder die Hausnummer, der Gebäudeteil und gegebenenfalls auch noch die Bühne oder weitere nähere Angaben. Und zwar genau in dieser Reihenfolge, man geht üblicherweise von den gröberen Angabe aus in die Details, nicht umgekehrt.

Der vierte Punkt der Meldung betrifft das „wie“: Die Situation wird kurz geschildert, die Anzahl der Verletzten und die voraussichtliche Schwere der Verletzung sowie eventuell nötige Rettungsmaßnahmen sollten geklärt werden. Normalerweise wird die Person am anderen Ende der Telefonleitung jetzt auch Fragen stellen, um den Rettungseinsatz besser koordinieren zu können. Die Fragen sollten wahrheitsgemäß und so genau wie möglich beantwortet werden. Aufgelegt wird erst, wenn die Leitstelle das signalisiert, nicht vorher.

Ist der Notruf abgesetzt, wird die Unfall- oder Gefahrenstelle fachgerecht gesichert und es werden Maßnahmen ergriffen, um die eintreffenden Rettungskräfte so schnell und einfach wie möglich an die Unfallstelle zu leiten. Diese Maßnahmen können aufgestellte Straßenposten sein, es kann aber auch nötig sein, eine Rettungsgasse frei zu räumen und abzusperren. Wichtig ist auch, dass im Falle von Verletzten immer auch eine Ambulanz angefordert wird.

Verletzungen der Hände und tödliche Arbeitsunfälle: Das muss nicht sein!
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Autor: Peter Baumeister

Der Autor > Über 25 Jahre Berufserfahrung im Bereich Bauen und Sanierung verdienen es zu Papier gebracht zu werden. Dabei neue interessante Tools und Techniken für Handwerker zu testen ist meine Passion.
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