Warum Vergleichstabellen für Baufinanzierungen im Internet nicht hilfreich sind

Im Internet können Verbraucher heute zu jedem Thema passende Beiträge, Ratgeber und Tipps finden. Die meisten gehen davon aus, dass das wirklich für alles gilt – auch für Dinge, die eine große Tragweite haben, wie beispielsweise eine Baufinanzierung. Mit einer Baufinanzierung binden sich Kunden in der Regel lange Jahre an eine Bank oder an ein Kreditinstitut. Informationen zu diesem Thema finden sich zuhauf.

Viele erwarten, dass sie im Internet nicht nur die Informationen zum Thema finden, wie Kreditkonditionen, Zinssätze, Tilgungspläne und Ähnliches. Sie gehen auch davon aus, dass sich dort genau ermitteln lässt, welche Bank das Darlehen in gewünschter Höhe zum günstigsten Zinssatz anbietet.

Doch die Thematik ist wesentlich komplexer. Es ist einfach nicht möglich anhand von wenigen Daten, wie dem gewünschten Finanzierungsvolumen, der Laufzeit oder den Zinsen, genau die Bank zu finden, die das passende Darlehen anbietet.

Die Finanzierungsrechner im Internet

Im Internet finden sich zahlreiche Finanzierungsrechner. Mit deren Hilfe lassen sich anhand nur weniger Daten, wie Kaufpreis der Immobilie, gewünschte Darlehenshöhe und Zinsbindungsdauer, Preisvergleiche starten. Die Ergebnisse sind allerdings nicht unreflektiert nutzbar. Bei den meisten erhalten die Interessenten vor allem einen Überblick über die Zinskonditionen.

Wer dann ein individuelleres Angebot wünscht, muss eine Finanzierungsanfrage stellen. Diese ist mit der Angabe der vollständigen persönlichen Daten und teilweise auch mit dem Einverständnis zu einer Bonitätsprüfung verbunden, die unter schufa.de genauer beschrieben wird.

Nur mit wenigen Eckdaten ist ein echter Vergleich von Preis und Konditionen kaum möglich. Ein Finanzierungsvergleich im Internet kann also lediglich der groben Orientierung dienen, sagen auch die Experten von Kreditheld.de. Denn eine Immobilienfinanzierung ist ein sehr komplexes Finanzprodukt. Nicht alle Kunden erhalten von einer Bank denselben Zinssatz. In die Entscheidung, welchen Zinssatz die Bank im individuellen Fall anbieten wird, hängt von den persönlichen Verhältnissen des Kunden ab. Zu den Einflussfaktoren gehören:

  • Alter
  • Einkommen
  • Vermögen
  • berufliche Situation
  • Lage und Zustand der Immobilie

Bei anderen Vergleichsrechnern sieht das etwas anders aus. Strompreise, Haftpflichtversicherungen oder Mobiltelefontarife stehen fest. Dort können solche Onlinevergleiche durchaus sinnvoll sein, um den günstigsten Anbieter für das individuelle Verbraucherverhalten zu finden.

Vergleichsportale sind oft nicht unabhängig

Die Suche nach der richtigen Finanzierung gleicht manchmal einem Glücksspiel, weil in den Vergleichsportalen häufig gar nicht alle Anbieter Berücksichtigung finden.
Die Suche nach der richtigen Finanzierung gleicht manchmal einem Glücksspiel, weil in den Vergleichsportalen häufig gar nicht alle Anbieter Berücksichtigung finden.

Die meisten Vergleichsportale sind keine gemeinnützigen Vereine, die davon existieren, dass zufriedene Kunden ihnen Dankesbriefe schreiben. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Portale darauf ausgelegt sind, Ertrag zu erwirtschaften. Dennoch sind sie für alle Kunden und Interessenten kostenlos. Das ist möglich, weil die Banken und Kreditinstitute eine Vermittlungsprovision zahlen, wenn ein Vertragsabschluss zustande kommt.

Bei einigen, nicht bei allen Portalen, steht das Geldverdienen im Vordergrund. Das kann am Ende dazu führen, dass die Portale nicht ganz so unabhängig sind, wie es nach außen den Anschein erweckt. Bei der Ansicht „umfassender Marktüberblick“ fehlen häufig günstige Anbieter. Diese bezahlen unter Umständen keine so hohen Provisionen. Auch aufgrund der enormen Anzahl an möglichen Anbietern ist es nur sehr schwer möglich, einen universellen Marktüberblick zu bieten.

Ein weiteres Thema, das bei den Vergleichsportalen meistens komplett außen vor bleibt, sind die öffentlichen Fördermittel, denn sie bringen naturgemäß keine Provisionen für die Portale. Manche Informationen verschweigen die Portale auch. Beispielsweise ist nur selten davon zu lesen, was unter kfw.de zu KfW-Darlehen steht. Diese können nämlich als Eigenkapitalersatz fungieren.

Der Vergleich über große Baufinanzierer

Wer einen realistischen und individuellen Vergleich sucht, sollte sich an einen großen Baufinanzierer – entweder vor Ort oder im Internet – wenden. Dieser nimmt alle relevanten Daten auf und berät die Interessenten persönlich. Die Angebote, die am Ende dieser Beratung stehen, sind genau auf den einen konkreten Kunden abgestimmt. Auch dieser Vergleich mit persönlicher Beratung ist für die Kunden kostenlos, denn auch die großen Baufinanzierer bekommen meistens ein Prozent der Kreditsumme als Entschädigung für ihre Arbeit von den Kreditinstituten.

Es ist legitim, wenn Kunden sich an zwei oder drei Baufinanzierer wenden und Angebote vergleichen lassen. Empfehlenswert sind dabei Anbieter, die überregional oder sogar bundesweit arbeiten und auch bei Banken und Sparkassen Angebote einholen.

Tipps für das Beratungsgespräch

Auch in der derzeitigen Niedrigzinsphase lohnt es sich, die verschiedenen Angebote miteinander zu vergleichen.
Auch in der derzeitigen Niedrigzinsphase lohnt es sich, die verschiedenen Angebote miteinander zu vergleichen.

Wer ein paar Ratschläge befolgt und das Beratungsgespräch ein wenig vorbereitet, bekommt am Ende ein Angebot, das genau auf die individuellen Bedürfnisse passt.

Es gibt ein paar Fragen, die während des Gespräches unbedingt geklärt werden sollten. Dazu gehören beispielsweise die Modalitäten zu den Zinssätzen oder zur Zinsbindung und auch die vollständigen mit der Baufinanzierung verbundenen Nebenkosten. Ein kompetenter Berater bei einem Baufinanzierer kann die Angebote der Geldinstitute ausführlich darstellen und auf alle Rückfragen eingehen. Nicht immer ist das erste Angebot auch das Beste, deshalb lohnt es sich, auch nach dem zweit- oder drittbesten Angebot zu fragen.

Ein weiterer Ansprechpartner neben den unabhängigen Beratern und Vermittlern ist die Hausbank. Diese haben zwar meist ein eingeschränkteres Angebot, können jedoch – da sie ihre Kunden gut kennen – ein günstiges Angebot machen. Wenn der Finanzvermittler weiß, dass sein Kunde auch noch bei anderen anfragt und vergleicht, kann am Ende sogar ein noch besseres Angebot herauskommen.

Seit 2010 gilt, dass Finanzdienstleister ihre Provisionen gegenüber ihren Kunden offenlegen müssen. Danach zu fragen, muss also keinem Kunden peinlich sein. Es kann jedoch bei der Bewertung der Empfehlungen durch den Vermittler hilfreich sein. Der Normalfall ist eine Vermittlerprovision von einem Prozent der Darlehenssumme. Ab etwa 300.000 Euro allerdings sollte die Provision geringer ausfallen.

Noch ein Tipp zum Schluss: Der Berater sollte alle wichtigen Zahlen und Fakten schriftlich festhalten und sie auch dem Kunden aushändigen. Auf dieses Protokoll besteht ein Anspruch. Nach der Beratung sollte keine Eile geboten sein, der Vermittler sollte seine Kunden nicht unter Zeitdruck setzen, schließlich handelt es sich um eine weitreichende Entscheidung, die den Kunden in der Regel für sehr lange Zeit finanziell und vertraglich bindet.

Autor: Peter Baumeister

Der Autor: Peter Baumeister > Über 25 Jahre Berufserfahrung im Bereich Bauen und Sanierung verdienen es zu Papier gebracht zu werden. Dabei neue interessante Tools und Techniken für Handwerker zu testen ist meine Passion.
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