Welche ökologischen Dämmstoffe gibt es?

Antworten auf die Frage "Wie natürlich dämmen"

Da die Energiepreise steigen, ist das Thema Wärmedämmung so aktuell wie noch nie. Geht es um die Wahl der richtigen Dämmung, setzen viele Hausbesitzer auf Naturdämmstoffe. Diese spielen inzwischen eine bedeutende Rolle. Kein Wunder, schließlich warten natürliche Dämmstoffe mit vielen Vorzügen auf.

Welche Naturdämmstoffe gibt es und welche Vorteile bringen diese mit?

  1. Holzfaserdämmplatten

Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften können Holzfaserdämmplatten sowohl zur Schallisolierung, als auch zur Wärmedämmung verwendet werden. Hinzu kommt, dass dieses natürliche Material eine hohe Wärmespeicherfähigkeit mitbringt und gleichzeitig feuchteregulierend wirkt. Im Handel findet man unterschiedlich dicke Holzfaserdämmplatten. Es gibt sie als flexible, aber ebenso als starre, druckbelastbare Dämmplatten zu kaufen.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,040-0,055 W/(m*K)
  • Primärenergiegehalt: 600-1.500 kWh/m3
  • Wärmespeicherkapazität: 2.000-2.100 J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: B2, normal entflammbar
  • Rohdichte: 150-190 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 5-10
  1. Dämmplatten aus Wellpappe

Durch das Verkleben von Pappe lässt sich eine hohe Festigkeit erzielen. Bei sogenannten Wellpapp-Dämmplatten vollbringen die Luftkammern der Wellpappe die eigentliche Dämmleistung: Die Höhe der Wellen und die Anzahl und Anordnung der Schichten beeinflussen die Dämmwirkung. Auch als sommerlicher Hitzeschutz eignet sich diese spezielle Pappe hervorragend, denn auftretende Sonnenwärme gibt sie erst verzögert ins Hausinnere ab.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,04 W/(m*K)
  • Baustoffklasse: B1
  • Rohdichte: ca. 145 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 1-2
  • Schallisolierung: 31 dB bei 40 mm Dicke
  1. Dämmplatten aus Napiergras oder Schilf

Des Weiteren eignen sich nachwachsende Rohstoffe wie Napiergras oder Schilf zur Herstellung von Dämmplatten. Durch die Hohlräume mit Luft in den Halmen bringen auch diese Materialien eine gute Dämmwirkung mit und sorgen für eine hervorragende Isolierung. Neben besonders guten Dämmwerten verfügt vor allem Schilf als Wasserpflanze über eine ausgezeichnete Wasserdampfdiffusionsfähigkeit. Hinzu kommt, dass der hohe Anteil an Silicium in den Halmen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Nässe, Fäulnis und Schädlinge wie Pilze erzeugt. Napiergras-Dämmplatten bringen ähnliche Eigenschaften mit. Außerdem sind diese Dämmplatten relativ leicht und lassen sich einfach schneiden.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,055 W/(m*K)
  • Wärmespeicherkapazität: 1.200 J/(kg.K)
  • Baustoffklasse: meistens B2, normal entflammbar
  • Rohdichte: 225 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 2
  1. Mineraldämmplatten

Sowohl Calcium-Silikatplatten als auch Mineralschaumplatten sind druckfest, formstabil und nicht brennbar. Beide Dämmplattenarten gelten als baubiologisch unbedenklich. Calcium-Silikatplatten werden auch als Klimaplatten bezeichnet. Sie bestehen aus Kalziumoxid, Siliciumdioxid, Wasserglas sowie zu fünf Prozent aus Zellulose. Calcium-Silikatplatten werden beispielsweise zur Behandlung feuchter Außenwände oder bei denkmalgeschützten Fassaden verwendet.

Mineralschaumdämmplatten sind hingegen nicht nur für die Innendämmung von Außenwänden geeignet, sondern auch für die Außenwanddämmung im Wärmedämmverbundsystem. Zudem sind sie für die Dämmung des Dachs und vorgehängte hinterlüftete Fassaden von großen Nutzen.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,042 W/(m*K)
  • Wärmespeicherkapazität: J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: A1, nicht brennbar
  • Rohdichte: ca. 110 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 3-5
  1. Zellulosedämmung

Zelluloseflocken werden zu einem großen Teil aus alten Zeitungen hergestellt. Sie zeichnen sich durch hervorragende wärmedämmende Eigenschaften aus und dienen gleichzeitig als guten Schallschutz. Hinzu kommt, dass eine Zellulosedämmung dampfdiffusionsfähig ist und feuchtigkeitsregulierend wirkt.

Zelluloseflocken lassen sich vielseitig einsetzen. Entweder werden sie lose aufgeschüttelt, offen aufgeblasen, in Hohlräume eingeblasen oder mit dem Feuchtsprühverfahren verarbeitet.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,040-0,045 W/(m*K)
  • Wärmespeicherkapazität: 1.700-2.150 J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: B2, normal entflammbar
  • Rohdichte: 30-80 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 1-2
  1. Jutedämmung

Jute-Dämmmatten und Jute-Vliese lassen sich leicht verarbeiten. Dieses Material kann gut zerschnitten und eingepasst werden. Die flexiblen Matten eignen sich besonders gut für die Dachdämmung. Ebenso können mit Jute Holzbalkendecken, Innen- und Außenwände in Holzbauweise sowie Wände von außen mit Hinterlüftung gedämmt werden.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,037-0,040 W/(m*K)
  • Primärenergiegehalt: kWh/m3
  • Wärmespeicherkapazität: 3.350 J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: B2, normal entflammbar
  • Rohdichte: 30-40 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 1-2
  1. Hanfdämmung

Hanf-Vliese und Hanfdämmplatten werden aus den Stengeln der Hanfpflanze hergestellt. Um die Stabilität der Hanf-Dämmstoffe zu steigern, kommt außerdem meist Polyester als Stützfaser zum Einsatz. Die Hanfdämmung wird sowohl als Matten- als auch als Rollenware in unterschiedlichen Dicken angeboten. Hinsichtlich der Wärmedämmung und der Schallisolierung bringt die Hanfdämmung gute Eigenschaften mit. Außerdem sind Hanffasern fäulnisresistent und feuchtigkeitsbeständig. Ob Zwischensparrendämmung, Untersparrendämmung, Wanddämmung im Trockenbau, Wärmedämmung oder Trittschalldämmung von Decken – die Hanfdämmung lässt sich vielseitig einsetzen.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,040-0,045 W/(m*K)
  • Primärenergiegehalt: 50-80 kWh/m3
  • Wärmespeicherkapazität: 2.300 J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: B2, normal entflammbar
  • Rohdichte: 30-42 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 1-2
  1. Flachsdämmung

Die in Deutschland beheimatete Flachspflanze ist Grundbestandteil der Flachsdämmung. Dämmplatten aus Flachs sind feuchtigkeitsregulierend und eignen sich aus diesem Grund besonders gut für eine diffusionsoffene Bauweise. Neben den positiven Effekten in Sachen Raumklima sowie den guten wärmedämmenden Eigenschaften ist Flachs resistent gegenüber Fäulnis.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,040-0,045 W/(m*K)
  • Primärenergiegehalt: 30-80 kWh/m3
  • Wärmespeicherkapazität: 1.300 J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: B2, normal entflammbar
  • Rohdichte: 20-80 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 1-2
  1. Korkdämmung

Kork ist eine Art natürlicher, rein pflanzlicher „Schaumstoff“. Er besteht aus abgestorbenen, mit Luft gefüllten Zellen und Lentizellen. Lentizellen sind Korkporen, die den Gasaustausch ermöglichen. Kork zeichnet sich durch eine extrem hohe Elastizität und Komprimierbarkeit bei einem geringen Eigengewicht aus. Außerdem ist Kork verschleißfest, feuchtigkeitsunempfindlich, schwer brennbar, wärme- und schallisolierend. Korkdämmplatten eignen sich für die Zwischensparren- und Aufsparrendämmung von Dächern, aber ebenso zur Deckendämmung sowie zur Dämmung unter dem Estrich. Korkschrot wird meist für die Hohlraumdämmung eingesetzt.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,045 W/(m*K) (Platte), 0,055 W/(m*K) (Schrot)
  • Primärenergiegehalt: 65-450 kWh/m3
  • Wärmespeicherkapazität: 1.700-2.100 J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: B2, normal entflammbar
  • Rohdichte: 100-220 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 5-10
  1. Perlite-Dämmung

Der Dämmstoff Perlite stammt aus dem gleichnamigen Silikatgestein Perlit, welches einen vulkanischen Ursprung hat. Selbst ohne chemische Zusätze ist dieses Material unbrennbar und wird außerdem von Nagetieren und Ungeziefer verschmäht. Meist wird Perlite in Form von losem Granulat in Decken- und in Dachhohlräumen eingesetzt. Inzwischen gibt es komplette Wärmedämmsysteme aus diesem Material im Handel zu finden.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,050-0,070 W/(m*K)
  • Primärenergiegehalt: 90-160 kWh/m3
  • Wärmespeicherkapazität: 1.000 J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: A1, nicht brennbar
  • Rohdichte: 40-90 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 3
  1. Kokosfaserdämmung

Bei der Kokosfaser handelt es sich um eine leichte, extrem elastische und bruchfeste Faser. Sie wird aus der Fruchthülle der Kokosnuss hergestellt. Da sie innen hohl ist, eignet sie sich besonders gut zur Schalldämmung sowie zur Wärmedämmung. Durch die pflanzeneigenen Gerbstoffe verrottet diese Faser nicht und ist widerstandsfähig gegenüber Nässe.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,040-0,050 W/(m*K)
  • Primärenergiegehalt: 95-200 kWh/m3
  • Wärmespeicherkapazität: 1.300-1.600 J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: B2, normal entflammbar
  • Rohdichte: 40-120 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 1
  1. Blähtondämmung

Blähton wird industriell aus blähfähigem Ton hergestellt. Dieses Material ist nicht brennbar. Zudem ist es frostbeständig, druckfest, feuchtigkeitsunempfindlich und beständig gegenüber Säuren und Laugen. Blähton zeichnet sich darüber hinaus durch eine gute Schalldämmung und Wärmespeicherung aus. Die wärmedämmende Wirkung wird bei diesem Material allerdings nur als mittel eingestuft. Überwiegend wird Blähton als Schüttmaterial zur Wärmedämmung und zur Verfüllung von Hohlräumen verwendet.

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,10-0,16 W/(m*K)
  • Wärmespeicherkapazität: 1.000 J/(kg*K)
  • Baustoffklasse: A1, nicht brennbar
  • Rohdichte: 300-700 kg/m3
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand: 2-8
  1. Trockenschüttung

Eine Trockenschüttung besteht aus mineralisch ummantelten Holzspänen. Ihre Wärmeleitfähigkeit ist etwas höher als die von nicht ummantelter Späne. Die Wärmedämmwirkung ist jedoch geringfügig schlechter. Die vorteilhafte Kombination aus dem weichen, federnden Kern und der festen Hülle eignet sich besonders gut als Trittschalldämmung. Die Trockenschüttung ist außerdem widerstandsfähig gegenüber Schädlingen, Schimmelpilzen und Fäulnis.

  1. Wiesengrasdämmung

Die Wiesengrasdämmung besteht zu rund 96 Prozent aus Zellulosefasern und zu vier Prozent aus Borsäure. Als Einblasdämmstoff eignet sich diese Dämmung besonders gut für die Sanierung von Altbauten. Ebenso können aber auch Grasdämmmatten verwendet werden. Hierzulande gibt es allerdings bislang keinen Hersteller für diese Dämmmatten.

Fazit

Neben den hier genannten Vorteilen der ökologischen Dämmung sollten Bauherren auf die Energie und den Einsatz von Chemie bei der Herstellung der Dämmmaterialien achten. Zudem spielt auch der Transportweg eine Rolle für die Umweltfreundlichkeit der Dämmstoffe. Laut bauen.de sind ökologische Dämmstoffe nicht immer besser als die Herkömmlichen.

Dennoch zeichnen sich viele ökologische Dämmmaterialien durch positive Eigenschaften aus. Egal, ob es um die Innen- oder Außenwände geht oder um die Dämmung von Dächern oder Böden – umweltbewusste Bauherren finden für jeden Einsatzzweck eine passende ökologische Dämmalternative.

Welche ökologischen Dämmstoffe gibt es?
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