Erdlochbohrer richtig benutzen: Auswahl und Sicherheit
Was ist zu beachten wenn ich einen Erdlochbohrer verwende
Mit einem Erdlochbohrer lassen sich runde Löcher für Zaunpfosten, Punktfundamente, Pflanzungen oder Spielgeräte deutlich schneller herstellen als mit Spaten und Schaufel. Entscheidend sind jedoch der passende Bohrerdurchmesser, ein geeigneter Antrieb und eine sorgfältige Prüfung des Untergrunds. Besonders wichtig: Unterirdische Strom-, Gas-, Wasser- und Telekommunikationsleitungen dürfen niemals allein aufgrund von Vermutungen ausgeschlossen werden.
Dieser Ratgeber erklärt, wann ein Hand-, Elektro-, Akku- oder Benzin-Erdbohrer sinnvoll ist, wie Sie ein gerades Bohrloch herstellen und was bei Steinen, Wurzeln sowie unbekannten Leitungen zu tun ist. Die Bedienungsanleitung des konkreten Geräts hat dabei stets Vorrang.
![[Bild mit Hilfe von KI erstellt] Erdlochbohrer richtig benutzen: Auswahl und Sicherheit [Bild mit Hilfe von KI erstellt]](https://handwerkerratgeber.info/wp-content/uploads/erdlochbohrer.jpg)
Welcher Erdlochbohrer passt zum Vorhaben?
Die richtige Bauart hängt nicht allein von der gewünschten Tiefe ab. Bodenart, Lochdurchmesser, Anzahl der Löcher, verfügbare Bewegungsfläche und körperliche Belastbarkeit spielen ebenfalls eine Rolle.
| Bauart | Geeignet für | Grenzen |
|---|---|---|
| Hand-Erdbohrer | Einzelne kleinere Löcher in lockerem bis normalem Boden | Bei trockenem Lehm, Steinen und vielen Löchern anstrengend |
| Akku-Erdbohrer | Gartenarbeiten ohne Abgase und Kabel, mehrere mittlere Löcher | Laufzeit und Drehmoment hängen von Gerät und Akku ab |
| Elektrischer Erdbohrer | Arbeiten in Reichweite eines geeigneten Stromanschlusses | Anschlussleitung muss geschützt und vom Bohrer ferngehalten werden |
| Benzin-Erdbohrer | Viele oder größere Bohrungen auf weitläufigen Grundstücken | Höheres Gewicht, Lärm, Abgase und stärkere Reaktionskräfte |
| Hydraulischer Anbau-Erdbohrer | Große Durchmesser und professionelle Serienbohrungen | Trägergerät, Erfahrung und ausreichend Arbeitsraum erforderlich |
Für einen Zaunpfosten sollte das Loch genügend Raum für das geplante Fundament oder das verdichtete Verfüllmaterial lassen. Ein größerer Durchmesser ist aber nicht automatisch besser: Mit wachsendem Bohrerdurchmesser steigen Drehmoment, Gewicht des geförderten Bodens und die Belastung für die führende Person.
Weitere Hinweise zu Bauformen und Bohrschnecken finden Sie im Beitrag Bohrer für Erde.
Vor dem Bohren: Leitungen und Arbeitsbereich prüfen
Vor jedem Eingriff in den Boden muss geklärt werden, ob Leitungen im Arbeitsbereich liegen. Verlassen Sie sich weder auf übliche Verlegetiefen noch auf gerade Linien zwischen Haus und Grundstücksgrenze. Leitungen können umgelegt, nachträglich ergänzt oder ohne aktuelle Dokumentation verlegt worden sein.
- Markieren Sie alle geplanten Bohrpunkte und den Bewegungsbereich des Geräts.
- Prüfen Sie eigene Bestandspläne und holen Sie bei den zuständigen Netz- und Leitungseigentümern aktuelle Leitungsauskünfte ein.
- Übertragen Sie bekannte Leitungsverläufe und Schutzabstände auf die Fläche.
- Lassen Sie unklare Bereiche fachgerecht orten. Ein einfaches Leitungssuchgerät ist kein Ersatz für Pläne, Betreiberangaben und erforderliche Suchschlitze.
- Kontrollieren Sie den Boden auf Steine, Wurzeln, alte Fundamente, Bewässerungsleitungen und andere Hindernisse.
Die BG BAU verlangt für Arbeiten im Bereich erdverlegter Leitungen, vor Baubeginn Informationen über Lage und Schutzabstände bei den Leitungseigentümern einzuholen. Werden unbekannte Leitungen entdeckt, sind die Arbeiten sofort einzustellen. Die ausführlichen Schutzmaßnahmen stehen im BG-BAU-Baustein zu erdverlegten Leitungen.
Warum ein Ortungsgerät allein nicht genügt
Ortungsgeräte unterscheiden sich erheblich in Technik und Leistungsfähigkeit. Manche Geräte erkennen nur spannungsführende Kabel oder metallische Leitungen, andere arbeiten mit einem Sender. Kunststoffrohre, abgeschirmte Leitungen, große Tiefe, feuchter Boden und parallel liegende Objekte können die Ortung erschweren. Deshalb müssen die Angaben des Geräteherstellers, Leitungsauskünfte und die Bedingungen vor Ort gemeinsam bewertet werden.
Erdlochbohrer sicher vorbereiten
Stellen Sie vor der Montage den Antrieb ab, trennen Sie bei elektrischen Geräten die Energieversorgung und sichern Sie das Gerät gegen unbeabsichtigtes Starten. Bohrschnecke, Aufnahme, Sicherungsbolzen und vorhandene Schutzteile müssen zum Antrieb passen und unbeschädigt sein. Improvisierte Schrauben oder Bolzen sind nur zulässig, wenn der Hersteller sie ausdrücklich als gleichwertige Sicherung vorsieht.
- Tragen Sie feste, rutschhemmende Schuhe, lange eng anliegende Kleidung, Schutzbrille und bei motorisierten Geräten Gehörschutz.
- Halten Sie andere Personen und Tiere aus dem Arbeitsbereich fern.
- Arbeiten Sie bei Zweipersonengeräten nur mit einer eingewiesenen zweiten Person.
- Starten Sie Verbrennungsmotoren ausschließlich nach Herstellervorgabe und niemals in geschlossenen Räumen.
- Prüfen Sie, ob Rückwärtslauf, Schnellstopp oder Drehmomentabschaltung vorhanden sind und wie sie bedient werden.
Ein motorisierter Erdlochbohrer kann bei einem Hindernis schlagartig reagieren. Halten Sie die Griffe mit beiden Händen, stehen Sie stabil und rechnen Sie jederzeit mit einem Blockieren. Wickeln Sie niemals Gurte oder Körperteile um Griffe und versuchen Sie nicht, ein starkes Gerät allein mit Körpergewicht zu kontrollieren.
Schritt für Schritt ein gerades Erdloch bohren
- Bohrpunkt markieren: Kontrollieren Sie Abstände und Flucht, bevor Sie beginnen.
- Bohrer senkrecht ansetzen: Richten Sie das Gerät aus zwei Blickrichtungen aus. Eine zweite Person kann die Senkrechte aus sicherem Abstand kontrollieren.
- Langsam anlaufen lassen: Die Schnecke soll sich zunächst im Boden zentrieren. Starker Druck ist nicht nötig und kann das Verkanten fördern.
- In Etappen bohren: Ziehen Sie die Schnecke regelmäßig bei laufender oder nach Herstellerangabe reduzierter Drehzahl aus dem Loch, damit der gelöste Boden abgeführt wird.
- Aushub entfernen: Legen Sie die Erde so ab, dass sie nicht in das Loch zurückfällt und keine Stolperstelle entsteht.
- Tiefe kontrollieren: Messen Sie erst bei vollständig stillstehendem, sicher abgelegtem Gerät.
![[Bild mit Hilfe von KI erstellt] Gelöster Boden neben einem mit dem Erdlochbohrer hergestellten Loch [Bild mit Hilfe von KI erstellt]](https://handwerkerratgeber.info/wp-content/uploads/erdlochbohrer-dreck.jpg)
Ein Loch wird leichter gerade, wenn Sie die Richtung früh korrigieren. Ist die Schnecke bereits tief im Boden, führt seitliches Drücken eher zu einem ausgeweiteten, schiefen Loch und belastet Welle sowie Getriebe.
Was tun, wenn der Erdlochbohrer blockiert?
Stockt die Schnecke oder schlägt das Gerät zur Seite, lassen Sie den Betätigungshebel sofort los beziehungsweise schalten den Antrieb ab. Warten Sie den vollständigen Stillstand ab. Erst danach darf geprüft werden, ob ein Stein, eine Wurzel oder verdichteter Boden die Schnecke festhält.
Nutzen Sie einen vorgesehenen Rückwärtslauf nur gemäß Bedienungsanleitung. Fassen Sie nicht in das Loch, solange das Gerät angeschlossen oder startbereit ist. Größere Steine werden mit geeignetem Handwerkzeug freigelegt und entfernt. Bei starken Wurzeln kann ein anderer Bohrpunkt sinnvoller sein; große tragende Wurzeln sollten nicht ohne Rücksicht auf die Standsicherheit des Baums durchtrennt werden.
Vorbohren und auf größeren Durchmesser erweitern
Ein kleines Führungsloch kann bei bestimmten Geräten und Bodenarten helfen, ist aber keine allgemeingültige Methode. Beim anschließenden Einsatz einer breiteren Schnecke fehlt ihr im bereits gelösten Zentrum unter Umständen die Führung. Ob stufenweises Bohren zulässig und sinnvoll ist, steht in der Geräte- und Schneckenanleitung. Für große Durchmesser ist meist ein dafür ausgelegter Antrieb sicherer als eine improvisierte Erweiterung.
Erdlochbohrer für Zaunpfosten verwenden
Übertragen Sie zuerst den gesamten Zaunverlauf, markieren Sie Eck-, End- und Torpfosten und teilen Sie erst danach die Zwischenfelder ein. Die erforderliche Lochgröße richtet sich nach Pfosten, Zaunsystem, Windlast, Boden und Art der Gründung. Herstellerangaben und örtliche Bedingungen sind deshalb wichtiger als pauschale Zentimeterwerte.
Bei frostempfindlichen Konstruktionen muss die Gründung passend geplant werden. In bindigem Boden darf sich außerdem kein Wasser dauerhaft am Holzpfosten sammeln. Für einbetonierte Pfosten müssen Flucht und Lot während des Aushärtens gesichert werden. Kontrollieren Sie Leitungsverläufe erneut, wenn sich ein Bohrpunkt verschiebt.
Handbohrer oder Motorbohrer: Entscheidung nach Boden
Lockerer, weitgehend steinfreier Boden lässt sich häufig mit einem Handbohrer kontrolliert bearbeiten. Trockener Lehm kann dagegen so hart sein, dass auch ein Motorbohrer nur langsam vorankommt. Sehr steiniger oder von Bauschutt durchsetzter Boden ist für eine Bohrschnecke oft ungeeignet. Dann sind ein Suchloch, manuelles Ausheben oder ein anderes Verfahren die bessere Wahl.
Wässern Sie den Boden nicht unkontrolliert, um ihn weicher zu machen. Das kann die Tragfähigkeit verändern, das Bohrloch instabil machen und die Beurteilung von Leitungen erschweren. Bei größeren Fundamenten, Hängen oder statisch relevanten Bauteilen sollte die Gründung geplant und gegebenenfalls fachlich geprüft werden.
Häufige Fehler beim Bohren von Erdlöchern
- Leitungsverläufe werden nur geschätzt statt beim Betreiber abgefragt.
- Die Schnecke ist größer, als Antrieb und Anwender sicher kontrollieren können.
- Der Bohrer wird mit hohem Druck in den Boden gepresst.
- Zu viel gelöste Erde sammelt sich auf der Schnecke und erhöht das Gewicht.
- Eine Blockade wird bei laufendem oder startbereitem Gerät gelöst.
- Bohrpunkte werden einzeln statt über die vollständige Flucht eingemessen.
- Schutzabstände, Pfostenstatik oder Vorgaben des Zaunsystems bleiben unberücksichtigt.
![[Bild mit Hilfe von KI erstellt] Erdlochbohrer beim Herstellen eines Lochs im Garten [Bild mit Hilfe von KI erstellt]](https://handwerkerratgeber.info/wp-content/uploads/erdlochbohrer-anleitung.jpg)
Häufige Fragen zum Erdlochbohrer
Wie tief kann man mit einem Erdlochbohrer bohren?
Die mögliche Tiefe hängt von Schneckenlänge, zulässiger Verlängerung, Antrieb, Boden und Gerätevorgaben ab. Eine Verlängerung darf nur verwendet werden, wenn sie für das jeweilige System freigegeben ist.
Muss man einen Erdlochbohrer nach unten drücken?
Normalerweise zieht sich eine scharfe, passende Bohrschnecke selbst in den Boden. Leichter Führungsdruck kann genügen; starkes Pressen erhöht das Risiko des Verkantens und belastet Antrieb sowie Anwender.
Kann man mit einem Erdlochbohrer durch Wurzeln bohren?
Kleine Wurzeln können je nach Schnecke durchtrennt werden, größere Wurzeln blockieren das Gerät häufig. Schalten Sie dann ab, sichern Sie den Bohrer und prüfen Sie, ob ein anderer Bohrpunkt die bessere Lösung ist.
Was ist zu tun, wenn eine unbekannte Leitung auftaucht?
Stellen Sie die Arbeiten sofort ein, sichern Sie den Bereich und informieren Sie Grundstückseigentümer beziehungsweise zuständigen Leitungsbetreiber. Eine unbekannte Leitung darf nicht bewegt, geöffnet oder auf eigene Faust freigelegt werden.