Fensterkitt – Fenster wieder dicht bekommen

Mit neuem Fensterkitt die alten Fenster wieder dicht machen

Fensterkitt ist der Klassiker, wenn Glasscheiben in Holz- oder Metallrahmen dauerhaft dicht sitzen sollen. Anders als Silikon basiert er auf natürlichen Rohstoffen und lässt sich später überstreichen – ideal für traditionelle Fenster und Renovierungen.

Fensterkitt – Fenster wieder dicht bekommen
Fensterkitt – Fenster wieder dicht bekommen

Gleichzeitig braucht er Zeit: Die Oberfläche härtet langsam aus, und falsche Bedingungen können Risse fördern. In diesem Guide erfährst du, woraus Fensterkitt besteht, für welche Fenster er geeignet ist und wie du ihn sicher entfernst und neu aufträgst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fensterkitt ist ein Naturprodukt aus Schlämmkreide (Calciumcarbonat) und Leinölfirnis.
  • Er eignet sich vor allem für einfachverglaste Holz- und Metallfenster sowie Verbund- und Kastenfenster.
  • Vorteil: Er dichtet gut ab, dämmt ausreichend und ist überstreichbar.
  • Nachteil: Mit der Zeit trocknet er aus, wird spröde und muss erneuert werden.
  • Trockenzeit: mindestens eine Woche, abhängig von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Untergrund.

Was ist Fensterkitt und wofür wird er verwendet?

Fensterkitt ist eine traditionelle Dichtungsmasse aus Schlämmkreide und Leinölfirnis. Er wird genutzt, um Glasscheiben in Holz- und Metallfenstern abzudichten, festzusetzen und vor Zugluft sowie Feuchtigkeit zu schützen.

Was Fensterkitt ist und warum er sich bewährt

Fensterkitt wird seit Jahrhunderten genutzt, um Fensterscheiben zuverlässig abzudichten. Er sitzt im Falz und sorgt dafür, dass Glas und Rahmen dicht verbunden sind. Dadurch werden Zugluft und Feuchtigkeit reduziert.

Das hilft auch gegen Energieverlust, weil weniger Wärme entweicht. Wichtig ist: Traditioneller Fensterkitt ist keine moderne Schnelllösung, sondern ein Material mit „Handwerkstempo“. Er funktioniert besonders gut bei klassischen Fensterkonstruktionen. Genau deshalb ist er bei Renovierungen alter Fenster so beliebt.

Zusammensetzung: Schlämmkreide und Leinölfirnis

Fensterkitt besteht zu über 75 % aus Schlämmkreide. Schlämmkreide ist reines Calciumcarbonat, also Kalkstein in sehr feiner Form. Die restlichen etwa 25 % sind Leinölfirnis, der aus Leinöl durch spezielle Bearbeitung entsteht.

Nach dem Aushärten bildet sich eine Art „Lackstruktur“, die den Kitt fest werden lässt. Diese Rezeptur ist schon seit etwa 1700 bekannt und wurde langfristig kaum verändert. Früher wurden teils Asbestfasern beigemischt, vor allem vor 1990.

Solcher Kitt ist heute nicht mehr im Handel, kann aber noch an alten Fenstern vorhanden sein. Beim Entfernen ist deshalb besondere Vorsicht nötig.

Bestandteil Anteil Funktion
Schlämmkreide (Calciumcarbonat) > 75 % Füllstoff, Formstabilität
Leinölfirnis ca. 25 % Bindemittel, Aushärtung/Elastizität

Vorteile und Nachteile im Vergleich zu Silikon

Ein großer Vorteil ist die gute Abdichtung, die auch dämmt. Außerdem ist Fensterkitt ein Naturprodukt und gilt als gesundheitlich unbedenklicher als rein chemisches Silikon. Ein weiterer Pluspunkt: Du kannst ihn nach dem Trocknen überstreichen.

Das ist bei vielen Fenstern wichtig, weil der Anstrich auch den Rahmen schützt. Gleichzeitig gibt es klare Nachteile. Mit der Zeit trocknet der Kitt aus und wird spröde. Dann hält er die Scheibe nicht mehr sicher und es können Undichtigkeiten entstehen. Das kann im Winter zu höheren Heizkosten führen, weil es zieht und Wärme verloren geht.

Kriterium Fensterkitt Silikon
Überstreichbar Ja (nach Trockenzeit) Nein
Materialcharakter Naturprodukt Chemisch
Trocknungsdauer mind. 1 Woche ca. 1 Tag
Optik über Zeit kann spröde werden kann unschön altern, zieht Bakterien an

Geeignete Fenster und richtige Vorbehandlung

Fensterkitt eignet sich für einfachverglaste Holz- und Metallfenster. Auch Verbund- und Kastenfenster werden ausdrücklich genannt. Bei Isolierglasscheiben berichten viele von guten Erfahrungen, dennoch bleibt der Kern: Holz und Metall sind die typischen Einsatzbereiche.

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Holzfenster sollten idealerweise mit rohem Leinöl eingeölt werden. Danach kommt Leinölfarbe, und der Kitt bleibt so elastischer. Metallfenster brauchen zuerst eine Leinöl-Rostschutzfarbe. Erst danach wird mit Fensterkitt gearbeitet.

Nicht geeignet ist Fensterkitt grundsätzlich für Fenstertypen außerhalb dieser genannten Bereiche. Merksatz: In der Regel ist Fensterkitt für Holz- und Metallfenster gedacht.

Fenstertyp Geeignet? Hinweis
Holzfenster (einfachverglast) Ja mit rohem Leinöl vorölen, dann Leinölfarbe
Metallfenster Ja Rostschutzfarbe (Leinöl) vorab
Verbund- und Kastenfenster Ja klassischer Anwendungsfall
Andere Fenstersysteme Eher nein grundsätzlich nicht empfohlen

Lagerung, Trocknung und Überstreichen richtig timen

Fensterkitt lässt sich originalverschlossen etwa drei Monate lagern. Dabei sollte die Umgebungstemperatur zwischen 10 und 15 Grad liegen. In Kartusche oder Schlauch sind sogar etwa sechs Monate möglich. Bei der Verarbeitung brauchst du Geduld, denn die Trockenzeit beträgt mindestens eine Woche.

Je nach Konsistenz, Oberfläche und Außentemperatur kann es länger dauern. Der Kitt härtet zuerst an der Oberfläche aus und kann danach überstrichen werden. Wichtig: Putze die Scheiben nicht zu früh, sonst beschädigst du den frischen Kitt. Außerdem können durch das Öl fettige Flecken entstehen, wenn du zu früh dran gehst.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit spielen eine große Rolle. Unter 10 Grad verzögert sich die Aushärtung stark und kann Wochen dauern. Wärme und trockene Luft beschleunigen den Prozess, hohe Luftfeuchtigkeit bremst ihn. Verarbeite den Kitt daher bevorzugt in wärmeren Monaten.

In Innenräumen ohne direkte Sonne trocknet er gleichmäßiger, und das senkt das Risiko von Rissen. Zu schnelle Austrocknung durch direkte Hitze kann feine Oberflächenrisse verursachen. Geduld und passende Bedingungen sind der Schlüssel für ein haltbares Ergebnis.

Thema Richtwert Wichtige Hinweise
Lagerung (originalverschlossen) ca. 3 Monate 10–15 °C
Lagerung (Kartusche/Schlauch) ca. 6 Monate besser gegen Austrocknung geschützt
Trockenzeit mind. 1 Woche kann länger dauern
Überstreichen frühestens nach 1 Woche nicht vorher anfassen, sonst Flecken/Schäden

Verarbeitung, Erneuerung und Sicherheit (inkl. Asbest)

Vor dem Verarbeiten solltest du den Fensterkitt gründlich durchkneten. So wird er weich und lässt sich sauber formen. Wenn er zu trocken ist, kannst du etwas Öl zugeben. Danach legst du eine Rolle Kitt in den Falz der Scheibe. Ein Kittmesser hilft, den Kitt fest hineinzudrücken.

So entstehen weniger Blasen, und die Abdichtung wird besser. Forme ihn gleichmäßig aus, auch über die Ecken hinweg, denn Lücken sind später echte Problemstellen. Überstehende Reste kommen zurück in einen luftdichten Behälter, damit nichts austrocknet.

Wenn du Fensterkitt erneuern willst, muss der alte Kitt zuerst runter. Nimm dafür einen Spachtel und arbeite vorsichtig, damit das Glas nicht bricht. Ist der Kitt sehr hart, hilft Erwärmen, damit er wieder flexibler wird. Danach entfernst du Staub und Partikel gründlich.

Alternativ wird eine Mischung aus Ammoniak und Wasser (1:10) genannt, um zu reinigen. Dann lässt du den Falz trocknen und klebst Glas und Holz am Rahmen ab. Anschließend wird der innere Bereich mit Leinöl eingestrichen, bevor neuer Kitt kommt.

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Beim Thema Sicherheit gibt es zwei Ebenen: normale Schutzkleidung und die Asbestfrage. Arbeitshandschuhe werden klar empfohlen, eine Schutzbrille ist optional und kann bei empfindlichen Personen helfen. Eine Lederschürze schützt Kleidung, weil Kitt schwer zu entfernen ist. Sicherheitsschuhe sind sinnvoll, vor allem auf Baustellen oder am Dach.

An Werkzeugen brauchst du mindestens Kittmesser und Spachtel, optional Infrarotstrahler oder Heißluftföhn, wenn der alte Kitt extrem fest sitzt. Kritisch wird es bei sehr altem Kitt vor 1990: Er kann Asbestfasern enthalten. Solchen Kitt solltest du nicht selbst entfernen, sondern einen Fachbetrieb beauftragen, weil Gesundheits- und Entsorgungsregeln zu beachten sind.

Kategorie Empfohlen Zweck
Schutzkleidung Arbeitshandschuhe Schutz beim Arbeiten
Schutzkleidung Schutzbrille (optional) Schutz vor Schmutz/Gasen
Schutzkleidung Lederschürze schützt Kleidung vor Kitt
Schutzkleidung Sicherheitsschuhe Stabilität auf Baustelle/Dach
Werkzeug Fensterkittmesser, Spachtel Kitt einbringen/entfernen
Werkzeug (optional) Infrarotstrahler/Heißluftföhn erleichtert Entfernen alten Kitts
Spezialfall Asbest (vor 1990 möglich) nicht selbst entfernen, Fachbetrieb

Den Holzfalz richtig vorbereiten (Primern)

Um alte Fenster wieder dicht zu bekommen, reicht es nicht aus, nur neuen Fensterkitt aufzutragen. Ein entscheidender Schritt in der Vorgehensweise ist das Grundieren des Holzfalzes mit Leinölfirnis. Da Holz ein saugender Untergrund ist, würde es ohne Vorbehandlung das Öl aus dem frischen Kitt ziehen, wodurch dieser vorzeitig spröde wird und reißt.

Streichen Sie den Falz nach der Reinigung gründlich ein und lassen Sie ihn kurz anziehen. Erst diese Sättigung garantiert, dass die Verbindung zwischen Glas, Holz und Kitt dauerhaft elastisch bleibt und die Fenster über Jahre hinweg zuverlässig abdichtet.

Aushärtungsphasen und der richtige Anstrich

Wer sein Fenster wieder dicht bekommen möchte, muss Geduld bei der Trocknung beweisen. Klassischer Leinöl-Fensterkitt bildet erst nach etwa ein bis zwei Wochen eine ausreichend feste Haut, um überstrichen zu werden. Ein zu früher Anstrich kann dazu führen, dass die Farbe reißt oder der Kitt darunter weich bleibt.

Achten Sie darauf, einen elastischen Lack zu wählen, der die natürlichen Bewegungen des Holzes mitmacht. Der Anstrich sollte dabei etwa 1-2 mm auf die Glasscheibe überlappen, um eine perfekte Wasserrinne zu bilden und zu verhindern, dass Feuchtigkeit hinter den Kitt in das Holz eindringt.

Moderne Alternativen zum klassischen Leinölkitt

Obwohl traditioneller Fensterkitt bei der Sanierung von Altbauten unschlagbar ist, gibt es für spezifische Reparaturen moderne Alternativen. Hybrid-Dichtstoffe oder spezielles Fenster-Silikon lassen sich oft leichter verarbeiten und sind schneller überstreichbar.

Diese kommen besonders dann zum Einsatz, wenn es schnell gehen muss oder keine Leinöl-Basis gewünscht ist. Dennoch gilt: Bei historischen Holzfenstern ist der klassische Kitt aufgrund seiner Diffusionsfähigkeit und Materialverträglichkeit oft die beste Wahl, um das Fenster dauerhaft wieder dicht zu bekommen. Prüfen Sie vorab, ob die gewählte Alternative mit dem vorhandenen Rahmenmaterial und den Glasleisten kompatibel ist.

Fazit

Fenster, die ziehen, kosten jeden Winter Geld. Mit traditionellem Fensterkitt bekommst du eine dichte, überstreichbare und vergleichsweise gesundheitsschonende Abdichtung – perfekt für Holz- und Metallfenster. Wenn du Lagerung, Temperatur und Trockenzeit beachtest, hält das Ergebnis lange. Plane Geduld ein und forme den Kitt sauber, damit keine Blasen entstehen. Und wichtig: Bei sehr altem Kitt vor 1990 droht Asbestgefahr – hier hilft nur der Fachbetrieb. Nutze die Checklisten, spare Heizkosten und starte gleich heute. Damit sitzt Glas wieder fest und dicht.

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Quellen:


FAQ

Wie lange dauert es, bis Fensterkitt vollständig trocken ist?

Die oberflächliche Hautbildung dauert bei Leinölkitt etwa eine Woche, während die vollständige Durchhärtung mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Dennoch darf der Kitt meist schon nach 10 bis 14 Tagen mit einem geeigneten Lack überstrichen werden.

Kann ich Fensterkitt durch Silikon ersetzen?

Silikon ist eine gängige Alternative für moderne Fenster, darf aber bei historischen Leinöl-Anstrichen oft nicht direkt verwendet werden. Zudem lässt sich herkömmliches Silikon nicht überstreichen, was bei Holzfenstern meist optisch und technisch nachteilig ist.

Warum reißt der neue Fensterkitt schon nach kurzer Zeit?

Meist liegt dies daran, dass der Holzuntergrund nicht mit Leinölfirnis grundiert wurde und dem Kitt das nötige Öl entzogen hat. Auch zu starke Sonneneinstrahlung während der ersten Trocknungsphase kann zu Rissbildungen im Material führen.

Wie entferne ich alten, steinharten Fensterkitt am besten?

Ein spezielles Kittmesser oder ein vorsichtig eingesetzter Heißluftföhn helfen dabei, das Material zu lockern und abzuhebeln. Achten Sie dabei unbedingt darauf, das Glas nicht durch zu große Hitze oder mechanischen Druck zu beschädigen.

Muss man Fensterkitt vor der Verarbeitung kneten?

Ja, der Kitt sollte so lange in den Händen geknetet werden, bis er geschmeidig, homogen und handwarm ist. Nur so lässt er sich blasenfrei in den Falz drücken und mit dem Kittmesser glatt abziehen.

Welches Werkzeug ist für das Glätten von Fensterkitt nötig?

Ein klassisches Kittmesser mit abgerundeter Spitze ist ideal, um die typische Fase im richtigen Winkel zu ziehen. Alternativ kann ein schmaler Spachtel verwendet werden, der jedoch etwas mehr Übung für ein glattes Ergebnis erfordert.

Kann man Fensterkitt bei jedem Wetter verarbeiten?

Die Verarbeitung sollte idealerweise bei trockenem Wetter und Temperaturen zwischen 5 und 25 Grad Celsius erfolgen. Bei Frost härtet der Kitt nicht richtig aus, während extreme Hitze die Rissbildung durch zu schnelle Trocknung fördert.

Was kostet ein Eimer Fensterkitt im Baumarkt?

Ein kleiner 500g-Becher klassischer Leinölkitt kostet in der Regel zwischen 5 und 10 Euro. Für größere Projekte sind 5kg-Eimer deutlich preiswerter und liegen oft im Bereich von 20 bis 30 Euro.

Warum soll der Farbanstrich leicht auf die Scheibe überlappen?

Dieser minimale Überlapp von ca. 1-2 mm dient als zusätzliche Abdichtung gegen Regenwasser. Er verhindert, dass Wasser zwischen Kitt und Glas läuft, was die Lebensdauer der gesamten Fensterkonstruktion massiv verlängert.

Ist Fensterkitt giftig oder gesundheitsschädlich?

Klassischer Leinölkitt besteht aus Kreide und Leinöl und ist daher ökologisch unbedenklich und ungiftig. Bei sehr altem Kitt aus DDR-Zeiten oder dem frühen 20. Jahrhundert sollte man jedoch vorsichtig sein, da dieser gelegentlich Asbest oder Blei enthalten kann.

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