Kalziumsilikatplatten: Was Sie über dieses Material wissen sollten

Kalziumsilikatplatten, auch Klimaplatten genannt, sind mineralische Dämmstoffe aus Siliziumdioxid, Kalziumoxid und Wasserglas. Sie werden durch Dampfgehärtung hergestellt. Dadurch entstehen formstabile, druckfeste Platten, die vor allem bei Feuchte- und Schimmelproblemen im Innenbereich eingesetzt werden. Sie gelten als ökologisch unbedenklich und ohne Zusätze.

Kalziumsilikatplatten: Was Sie über dieses Material wissen sollten
Kalziumsilikatplatten: Was Sie über dieses Material wissen sollten

Das Wichtigste in Kürze

• Mineralisch und dampfgehärtet: stabil und langlebig.
• Kapillaraktiv und diffusionsoffen: nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab.
• Schimmelresistent durch alkalischen pH-Wert über 10.
• Nicht brennbar (Brandschutzklasse A1).
• Dämmwirkung nur mittel (λ ca. 0,05–0,07 W/mK) und häufig 20–40 €/m².

Wofür sind Klimaplatten am sinnvollsten?

Sie sind am sinnvollsten als Innendämmung und zur Schimmelsanierung an kritischen Stellen wie Außenwänden innen und Fensterlaibungen, weil sie Feuchtigkeit puffern und die Oberfläche schneller trocknet.

Material und Herstellung

Die Rohstoffe werden unter Dampfdruck gehärtet, wodurch eine poröse Struktur entsteht. Diese Poren sind wichtig, weil sie Wasser aufnehmen und transportieren können. Gleichzeitig bleibt die Platte maßhaltig, was beim Ansetzen an Wänden und beim späteren Aufbau hilft. Da das Material mineralisch ist, gelten Klimaplatten als bauphysikalisch „sicher“ und meist ohne Folienkonstruktion einsetzbar.

Feuchteverhalten: kapillaraktiv und diffusionsoffen

Klimaplatten können Feuchtigkeit kapillar aufnehmen. Das heißt: Wasser wird nicht nur gespeichert, sondern im Material verteilt. Zusätzlich sind sie diffusionsoffen und puffern Luftfeuchte. Dadurch sinken Feuchtespitzen an der Wandoberfläche. Gerade dort, wo warme Raumluft auf kühle Bereiche trifft, entsteht sonst schnell Kondensat. Mit Klimaplatten trocknen diese Zonen oft besser ab, was Schimmel vorbeugt.

Schimmelresistenz und Brandschutz

Ein pH-Wert über 10 schafft ein alkalisches Milieu, in dem Schimmel schlechter wächst. Das ist besonders wertvoll bei wiederkehrenden Flecken oder nach einer Sanierung. Hinzu kommt die Brandschutzklasse A1: Kalziumsilikatplatten sind nicht brennbar. Das ist ein Plus in Fluren, Treppenhäusern oder generell dort, wo ein hoher Brandschutz gewünscht ist.

Dämmleistung: warum nur bedingt geeignet

Mit λ von etwa 0,05–0,07 W/mK dämmen Klimaplatten spürbar, aber meist schlechter als EPS oder Mineralwolle. Wer primär Energie sparen will, erreicht das oft günstiger und effizienter mit klassischen Dämmstoffen. Klimaplatten lohnen sich vor allem, wenn Feuchte, Schimmel und Oberflächentemperaturen das Problem sind und nicht allein der U-Wert.

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Typische Anwendungen im Innenausbau

Besonders geeignet sind Altbauten, Innenwände an kalten Außenbauteilen sowie Fensterlaibungen. Dort entstehen häufig Kältebrücken und Kondensat. Klimaplatten werden als Voll- oder Teilflächen geklebt, danach häufig armiert und je nach System verputzt oder mit Gipskarton kombiniert. Das passt gut zu Rigips-Projekten, wenn ein sauberer Innenaufbau gewünscht ist.

Nachteile, Kosten und Einbau

Der Preis liegt oft bei 20–40 €/m², zuzüglich Kleber, Armierung und Oberfläche. Der Zuschnitt ist möglich, erzeugt aber Staub, daher sind Schutzmaßnahmen sinnvoll. Außerdem sind Klimaplatten keine Außendämmung für direkte Witterung. Sie gehören in geschützte Innenbereiche. Entscheidend ist eine fachgerechte Verarbeitung, damit Feuchte wirklich verteilt wird und keine Hohlräume bleiben.

Fazit

Klimaplatten sind Spezialisten für feuchtebelastete Innenbereiche. Sie kombinieren Feuchtepuffer, Schimmelresistenz und A1-Brandschutz, auch wenn die Dämmleistung nur mittel ist. Wer Schimmel dauerhaft reduzieren will, findet hier oft eine robuste Lösung.

Quellen:

  1. Wann sind Kalziumsilikatplatten sinnvoll?
  2. Wie gut eignen sich Kalziumsilikatplatten zur Dämmung?
  3. Kalziumsilikatplatten – Alle Infos für die Planung – heinze.de

FAQ

Was ist der größte Vorteil von Kalziumsilikatplatten?

Der größte Vorteil liegt in der hohen Kapillarität und dem alkalischen pH-Wert, der Schimmelpilzen aktiv den Nährboden entzieht. Das Material kann große Mengen Feuchtigkeit zwischenspeichern und kontrolliert wieder an die Raumluft abgeben.

Kann man Kalziumsilikatplatten selbst verlegen?

Ja, für handwerklich versierte Heimwerker ist die Montage mit dem passenden Systemkleber durchaus machbar. Wichtig ist jedoch die sorgfältige Untergrundvorbereitung und das lückenlose Verkleben ohne Hohlräume hinter den Platten.

Welche Farbe darf auf Kalziumsilikatplatten verwendet werden?

Es dürfen ausschließlich Silikatfarben oder Kalkfarben verwendet werden, um die Diffusionsoffenheit des Systems nicht zu beeinträchtigen. Herkömmliche Dispersionsfarben würden die Poren verschließen und die schimmelhemmende Wirkung der Platten komplett neutralisieren.

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Wie dick sollten Kalziumsilikatplatten für die Innendämmung sein?

Für die reine Schimmelprävention reichen oft Plattenstärken von 25 bis 30 mm aus. Wenn zusätzlich eine nennenswerte Wärmedämmung erzielt werden soll, werden meist Stärken ab 50 mm empfohlen.

Sind Kalziumsilikatplatten gesundheitsschädlich?

Nein, das Material besteht aus natürlichen mineralischen Rohstoffen wie Kalk und Sand und ist absolut emissionsfrei. Es gilt als baubiologisch besonders wertvoll, da es das Raumklima reguliert und keine Schadstoffe ausdünstet.

Muss man die Wand vor dem Anbringen grundieren?

Eine spezielle Silikat-Grundierung ist unerlässlich, um das Saugverhalten der Platten und des Untergrunds zu regulieren. Ohne Grundierung würde der Kleber zu schnell austrocknen, was die Haftung der schweren Platten gefährden könnte.

Kann man auf Kalziumsilikatplatten tapezieren?

Vom Tapezieren wird dringend abgeraten, da der Tapetenkleister eine organische Nahrungsgrundlage für Schimmel bildet und die Atmungsaktivität einschränkt. Um die Vorteile des Materials zu nutzen, sollte die Oberfläche lediglich verputzt und gestrichen werden.

Wie schneidet man Kalziumsilikatplatten am besten zu?

Die Platten lassen sich sehr einfach mit einem herkömmlichen Fuchsschwanz oder einer feinzahnigen Handsäge bearbeiten. Da beim Schneiden viel Staub entsteht, sollte dabei unbedingt eine Atemschutzmaske getragen werden.

Sind Kalziumsilikatplatten brennbar?

Nein, Kalziumsilikat ist als nicht brennbarer Baustoff der Klasse A1 eingestuft. Es bietet daher neben dem Schimmelschutz auch einen hervorragenden baulichen Brandschutz für den Innenbereich.

Warum sind die Platten so viel teurer als herkömmliche Dämmstoffe?

Der höhere Preis resultiert aus dem aufwendigen Herstellungsprozess im Autoklaven, der dem Material seine einzigartige Kristallstruktur verleiht. Die Kombination aus Feuchtigkeitsmanagement, Brandschutz und Alkalität macht es zu einem multifunktionalen High-End-Baustoff.

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